back

Aus: "Anmerkungen zu einem früheren Leben" von Marga Sonnen

Seit einiger Zeit ahnte sie, dass dies der Ort sein musste, nachdem sie früher einmal lange gesucht hatte. Den sie nie auszumachen gewusst hatte, wenn damals die Rede auf Angelas Arbeitsplatz gekommen war. Später hatte sie die Geschichte vergessen. Es war Jahre her.
Jetzt kam ihr der Name plötzlich bekannt vor, ein Puzzleteil, das sich in eine offenstehende Lücke fügte.
Die Ampel sprang um. Sie ließ 'Curry Paule' zurück und lenkte den Wagen durch den Stadtverkehr. Irgendetwas jedoch blieb, Bilder sogen sich an ihr fest, ließen Erinnerungen aufsteigen.
Wochen später entschied sie sich für einen Besuch. Sie hatte Matteo zum Klarinettenunterricht gebracht. Bis zur nächsten Verabredung, dem Abendessen mit den Interessenvertretern des Verbandes, bliebe noch Zeit.
Sie stellte den Wagen auf einer Freifläche ab, hinter der sich eine Reihe niedriger Plattenbauten drängte.
Während sie an der Straße auf eine Lücke im Verkehr wartete, hob ihr Gedächtnis bereits die ersten Bilder für sie an.

Aus: "Schnitzer und die Plavnicek"
von Claudia Charlotte Strauß

Schnitzer eilt zum Küchenschrank und betastet seine Mikrofone.
Alles noch da, und kurz bevor er sie herausholen kann, um sie zu betrachten, zu befühlen und der Sehnsucht danach, sie in Betrieb zu nehmen, nachhängen kann, steht sie auch schon wieder in der Türfüllung.
Was machst du denn da am Küchenschrank?
So einen versonnenen Blick solltest du mir auch öfter einmal schenken, trällert sie putzmunter und ausgewechselt. Weißt du was. Mir ist da eben der Gedanke gekommen, wir könnten doch auch so zum Spaß, so ein Flugdings, so, wie heißt das gleich, anschaffen. Schnitzer reißt die Augenbrauen in die Höhe.
Eine Drohne, du willst eine Drohne kaufen?


Dialogannahme4

Aus: "Zone M"
von Konstanze Reupsch

Merits Accounts waren gehackt worden, alle, wie es aussah.
Wie hatte das gerade ihr passieren können, ihr, die seit Jahren erfolgreich die Netzzugänge einer ganzen Firma managte.
Und nun ihr eigener Account?
Das konnte doch nicht sein!
Die beiden Frauen versuchten herauszubekommen, wer die Accounts gehackt hatte. Die Freundin hatte längst einen Verdacht, doch Merit wollte diesen Gedanken nicht zulassen. Bis sie weiß auf schwarz die eigene IP-Adresse las.
Es gab nur einen Menschen außer Merit selbst, der Zugang zu ihrem Computer hatte.

Aus: "Verlustmeldung" von Gabriele Stehle

Danach wurde sie noch dünner, ihr mageres Gesicht eingefallen, die Nase spitz, Haare wie ein wildgewordener Handfeger. Sie sah so erbärmlich aus, dass sogar Frau Lembke eines nachmittags aufschreckte, als Gertrud zur Spätschicht kam, und sie bis abends nicht mehr damit in Ruhe ließ, ob alles in Ordnung sei, wie es ihr gehe und ob sie schon beim Arzt gewesen sei - sie wolle Gertrud um Himmels Willen nicht zu nahe treten, aber.
Die finstere Maria nickte schwer und murmelte, Gertrud solle sich nicht so hängen lassen, ob sie schon mal über ein Hobby nachgedacht habe. Sie, Maria, glaube, dass Gertrud einfach nur aktiv werden müsse.
Als Gertrud daraufhin lauthals lachte, sprach Maria den Rest der Woche kein Wort mehr mit ihr. Nicht nur, dass Gertrud gelacht hatte, weil sie es grotesk fand, ausgerechnet von der phlegmatischen Maria zum Aktivwerden aufgefordert zu werden, sondern weil es ein hässliches Lachen gewesen sei, wie Maria später der kopfschüttelnden Frau Lembke zuflüstern würde, als diese zu vermitteln versucht hatte; Bühnengeflüster, das Gertrud weder überhören konnte noch sollte.